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Vor 450 Jahren starb Philipp Melanchthon, der "Lehrer Deutschlands"

Pressemitteilung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Am 19. April 2010 jährt sich zum 450. Mal der Todestag des Humanisten Philipp Melanchthon (1497-1560), der als wichtigster Reformator an der Seite von Martin Luther eine treibende Kraft der deutschen und europäischen kirchenpolitischen Reformation darstellte. Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gedenkt ihres berühmten geistigen Vaters und Universalgelehrten. Als Philologe, Philosoph, Humanist, Theologe, Lehrbuchautor und neulateinischer Dichter leistete er Hervorragendes und wurde schon zu Lebzeiten "Praeceptor Germaniae" (Lehrer Deutschlands) genannt. Melanchthon reformierte die Schulen und Universitäten des Landes mit einer Nachhaltigkeit, die bis in die heutige Zeit reicht. 

Aus Anlass seines Todestages hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ein Melanchthon-Jahr ausgerufen, in dem eine Fülle von Veranstaltungen auf sein Wirken aufmerksam macht. Zu Beginn des Festjahres gibt es am 19. April in der Wittenberger Schlosskirche einen Festakt, an dem u. a. MLU-Rektor Professor Wulf Diepenbrock teilnimmt. 

Die MLU ehrt Melanchthon unter anderem mit einer Tagung, die vom 13. bis 17. Oktober dieses Jahres in der Leucorea in Wittenberg stattfinden wird. Seine Ideen bieten auch heute Antworten auf aktuelle Fragen und regen Diskussionen über Kirche und Bildungssystem an. Melanchthon zu Ehren trägt das dritte Themenjahr der Lutherdekade bis zum Reformationsjubiläum 2017 den Titel "Reformation und Bildung".

Bewunderung für seine klare Sprache, breites Wissen und präzises Denken erntete Melanchthon bereits mit 21 Jahren als junger Professor für Griechisch. Drei Tage nach Ankunft an der Universität in Wittenberg hielt er im Jahr 1518 seine viel beachtete Antrittsvorlesung über eine notwendige Studienreform. Melanchthons kleine Gestalt - nur 1,50 Meter groß - sei dabei zusätzlich erwähnt. "Vermeintest, er wäre ein Knab", so ein damaliger Student "von Geist aber ein Ries." 

Philipp Melanchthon, der aufgrund seines Beitrages zu einer humanistischen Wissenschafts- und Bildungsreform den Beinamen "Lehrer der Deutschen" erhielt, nahm in seiner Antrittsrede "De corrigendis adolescentiae studiis" (Die Erneuerung der Studien der Jugend) nicht nur couragiert Stellung gegen die allgemeine Verkrustung des Lehrbetriebs, sondern führte den begeisterten Hörern zugleich eine von den Fesseln der Scholastik befreite, wahrhaftige Wissenschaft vor Augen. Mit der Lehre gemeinsam lag sie am Boden, und nur in der Einheit mit ihr schien sie reformierbar. 

Nicht anders ist Melanchthons Polemik gegen die Allmachtstellung der Theologie, gegen vorgeschriebene Selektions- und Auslegungsmuster antiker Texte zu verstehen, die er u. a. mit der Forderung verknüpft, der Unsitte des Diktierens in den Vorlesungen und der "leidigen Heftschreiberei" auf Seiten der Studenten Einhalt zu gebieten. Die Wiege der akademischen Lehr- und Lernfreiheit steht in Wittenberg, aber wirklich in Bewegung gesetzt worden ist sie erst fast 200 Jahre später in der Saalestadt Halle, dem "Vorort" der Frühaufklärung.

Am 16. Februar 1497 in Bretten eigentlich als Philipp Schwartzerdt geboren, sorgte nach dem frühen Tod seines Vaters der Großonkel Johannes Reuchlin in Pforzheim für die Bildung des Jungen, der als "Wunderkind" galt, und förderte ihn auch später. Aufgrund seiner Begabung und großer Fortschritte beim Lernen von Sprachen übersetzte der Onkel seinen Namen ins Griechische: "Melanchthon" ("schwarze Erde"). Bereits zwei Jahre nach seinem Einzug in die Universität Heidelberg im Jahre 1509 erwarb er das Bakkalaureat, wechselte anschließend an die Universität Tübingen, wo er im Jahre 1514 nach Absolvieren des Quadriviums, also der mathematischen Fächer, die Magisterwürde erhielt. 

Sein besonderes Interesse galt den humanistischen Studien, fortdauernd beschäftigte er sich mit den Sprachen Griechisch, Hebräisch und Latein, aber auch mit Theologie, Rechtswissenschaft und Medizin. 1521 veröffentlichte er die erste systematische Darstellung der reformatorischen Theologie (Loci communes rerum theologicarum). Vor allem durch die Ausarbeitung der Augsburger Konfession von 1530 hat Melanchthon das Bekenntnis der evangelischen Kirchen weithin geprägt. 

Mit Martin Luther verband ihn zeitlebens eine enge Freundschaft, die sich in der Zusammenarbeit für die Reformation bewährte und verstärkte. Die Wittenberger Universität stieg im 16. Jahrhundert dank des gemeinsamen Wirkens Luthers und Melanchthons zur meistbesuchten deutschen Universität auf. Als Rektor gestaltete Melanchthon die Wittenberger Leucorea nach seinem Bildungsideal neu, entwickelte Statuten für Universitäten und Fakultäten und beteiligte sich persönlich an der Reorganisation der Universitäten Tübingen, Frankfurt/Oder, Greifswald, Rostock und Leipzig. Die Martin-Luther-Universität hütet das Dekanatsbuch der Theologischen Fakultät zu Wittenberg mit Melanchthons Nachruf auf den Freund. 

Der leidenschaftliche und überaus geschätzte Lehrer erarbeitete auch Lehrprogramme für Gymnasien und gab etliche Lehrbücher heraus, die im 16. Jahrhundert an vielen Schulen zum vorgeschriebenen Unterrichtsmaterial zählten. Melanchthon schuf den Prototyp des Gymnasiums. Seine Bildungsideale, beispielsweise die Betreuung von Studienanfängern, die Ausbildung rhetorischer Fähigkeiten und Qualität statt Quantität bei der Vermittlung des Lernstoffs, sind auch Jahrhunderte später von brennender Aktualität.

Zur Person

Wer war Philipp Melanchthon? Wie müssen wir ihn uns vorstellen? Als Theologe schrieb er die erste Systematik der neuen, reformatorischen Theologie.
Wunderkind hat man ihn gerufen und Martin Lutehr nannte ihn mit Vorliebe "den kleinen Griechen".

Spurensuche

Nicht nur in Deutschland hat Melanchthon seine Spuren hinterlassen und Kirche und Gesellschaft geprägt. Tipps und Hinweise für Reisen im Melanchthonjahr.

Bildung und Politik

Melanchthons Einflüsse auf Politik, Gesellschaft und Bildung sind auch heute noch deutlich erkennbar. Dass Gmynasien nach dem "Lehrer Deutschlands" benannt werden, ist da schon fast etwas Alltägliches.


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 12:57