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Wittenberg erinnert an Reformator Philipp Melanchthon

Bischof Fischer: Anerkennung eines päpstlichen Ehrenprimats wäre für Ökumene fruchtbarer Gedanke

Wittenberg (epd). Mit Gottesdiensten und kulturellen Veranstaltungen ist am Wochenende in Wittenberg an den 450. Todestag des Reformators Philipp Melanchthon erinnert worden. In einer Predigt am Sonntag in der Stadtkirche würdigte der badische evangelische Landesbischof Ulrich Fischer den in Bretten bei Karlsruhe geborenen Melanchthon als ein Vorbild, an dem man sich auch heute noch orientieren könne. Er sei durch seine beharrlichen Gründungen von Schulen und Universitäten ein Wegbereiter der humanistischen Bildungstradition gewesen.

Als Höhepunkt der Feiern ist für diesen Montag, dem eigentlichen Todestag, ein Festakt in der Schlosskirche geplant. Dazu werden nach bisheriger Planung neben dem amtierenden Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dem rheinischen Präses Nikolaus Schneider, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Rednerin erwartet.

Melanchthon gelte als ein Vorbild im Ausgleichen, weil er unter anderem unermüdliche Friedensverhandlungen mit dem Papst führte, so Bischof Fischer weiter. Auch seine dabei gezeigte Bereitschaft, ein päpstliches "Ehrenprimat" anzuerkennen, sei bis heute zwar ein höchst anstößiger, "aber für die weitere ökumenische Debatte fruchtbarer Gedanke". Eine entsprechende Initiative von Papst Johannes Pauls II. habe vor 15 Jahren "zu Unrecht auf evangelischer Seite kaum positive Reaktionen ausgelöst".

Eröffnet worden war das mehrtägige Programm zum 450. Todestag Melanchthons am Freitag mit einer Ausstellung in seinem ehemaligen Wohn- und Sterbehaus. Angeboten wurden zudem eine "Lange Nacht" in dem Museum sowie stadtweit Lesungen, Andachten, Konzerte und Theateraufführungen.

Philipp Melanchthon hat unter anderem 1530 die "Confessio Augustana" verfasst, das grundlegende Glaubensbekenntnis der lutherischen Kirchen. Innerhalb der von der EKD bis zum Reformationsjubiläum im Jahr 2017 ausgerufenen Dekade steht das Jahr 2010 anlässlich seines 450. Todestags unter dem Motto "Reformation und Bildung".

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, erklärte, auf die Impulse Melanchthons vor allem im Bildungswesen hinzuweisen sei gerade heute unerlässlich. Für den Gelehrten sei Bildung kein Lebenszweck, sondern notwendige Voraussetzung für Lebenstüchtigkeit gewesen, betonte der CDU-Politiker in seiner wöchentlichen Videobotschaft. Zudem gelte Melanchthon als Verfechter einer elementaren Bildung für alle Kinder unabhängig der sozialen Herkunft oder ihres Geschlechts.

Melanchthon wurde unter dem Namen Philipp Schwarzerdt 1497 geboren. Erst später änderte er seinen Namen in "Melanchthon", griechisch für "schwarze Erde". Ab 1518 lehrte er an der Wittenberger Universität als Professor Griechisch, später auch Theologie. Er entwickelte sich zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten der Reformation. Seine Neuerungen im Bildungswesen trugen ihm den Titel "Lehrer Deutschlands" ein. Er starb am 19. April 1560 in Wittenberg. Bestattet wurde er neben seinem einstigen Weggefährten Martin Luther (1483-1546) in der dortigen Schlosskirche.

Zur Person

Wer war Philipp Melanchthon? Wie müssen wir ihn uns vorstellen? Als Theologe schrieb er die erste Systematik der neuen, reformatorischen Theologie.
Wunderkind hat man ihn gerufen und Martin Lutehr nannte ihn mit Vorliebe "den kleinen Griechen".

Spurensuche

Nicht nur in Deutschland hat Melanchthon seine Spuren hinterlassen und Kirche und Gesellschaft geprägt. Tipps und Hinweise für Reisen im Melanchthonjahr.

Bildung und Politik

Melanchthons Einflüsse auf Politik, Gesellschaft und Bildung sind auch heute noch deutlich erkennbar. Dass Gmynasien nach dem "Lehrer Deutschlands" benannt werden, ist da schon fast etwas Alltägliches.


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 12:57