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Melanchthons rechte Hand

Vor 500 Jahren wurde der unterfränkische Reformator Paul Eber geboren

Als Paul Eber 1532 sein Studium an der Universität Wittenberg beginnt, deutet noch nichts auf seine spätere Karriere als Reformator hin. Vier Jahre später erlangt er den Magistergrad und wird in die Philosophische Fakultät aufgenommen. Er macht sich in den folgenden Jahren einen Namen als Physiker, Lateinlehrer und Philosoph, erhält verschiedene Professuren. Doch erst 1557, als er Oberprediger an der Schlosskirche Wittenberg wird, beginnt seine kirchliche Karriere.

Der gebürtige Kitzinger gehört zur sogenannten zweiten Generation der Reformation, die Martin Luthers und Philipp Melanchthons Erbe in Wittenberg, dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und dem übrigen Europa fortführen. "Die bisher schmale Forschung zu Eber wird seiner Bedeutung als führender Theologieprofessor nicht gerecht", sagt der Reformationshistoriker Daniel Gehrt. Diese Rolle verdankte Eber sicher auch seinem Förderer, Lehrer und Vorbild Melanchthon.

Daniel Gehrt ist Handschriftenbearbeiter an der Forschungsbibliothek Gotha, einer Einrichtung der Universität Erfurt. Dort erschließt er die Handschriften aus der Reformationszeit - auch Hunderte Briefe von und an Paul Eber. Zum 500. Jahrestag von Ebers Geburtstag organisiert Gehrt zusammen mit Kollegen aus Gotha und der Universität Tübingen vom 10. bis 12. November 2011 in Gotha eine Tagung, die sich mit dem weithin unbekannten Nachlass Ebers auseinandersetzen will.

Warum Eber in keinem der einschlägigen Lexika auftaucht, kann auch Gehrt nicht aus dem Stehgreif erklären. Genau das solle schließlich bei der Tagung im November wissenschaftlich erarbeitet werden. Doch diverse Vermutungen hat Gehrt bereits. Zum einen sei der öffentliche Auftritt so gar nicht Ebers Sache gewesen - anders als etwa bei Luther.

Eber sei vielmehr der stille Strippenzieher gewesen, sagt Gehrt. Mit der Ernennung zum Oberpfarrer an der Marienkirche 1558 wurde der gebürtige Kitzinger auch Theologieprofessor sowie Generalsuperintendent des Kurkreises. Nach dem Tod Melanchthons im Jahr 1560 sei Paul Eber schließlich zum führenden Theologieprofessor in Wittenberg neben dem dienstältesten Fakultätsmitglied Georg Maior geworden, sagt Historiker Gehrt.

Ein weiterer Grund, weshalb Ebers Name auch den meisten Historikern bislang nichts sage, sei die Tatsache, dass dieser sich aus beinahe allen theologischen Streitereien seiner Zeit herausgehalten habe. "Er hat oft eine Vermittlerrolle eingenommen, anstatt selbst zu polemisieren", sagt Gehrt. Daneben pflegte er viele wichtige Beziehungen zu Gelehrten, Herrschern und Kirchengemeinden in ganz Europa. Er machte sich einen Namen als Berater, Übersetzer, Historiker und Liederdichter.

"Die bisherige Forschung zu Paul Eber ist sehr übersichtlich", erläutert Gehrt. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden erste Biografien über den gebürtigen Kitzinger - auf Grundlage der Dokumente im dortigen Stadtarchiv und der damals Herzoglichen Bibliothek in Gotha. Auch um die Wende zum 21. Jahrhundert seien einige wichtige Beiträge zu Eber und seiner Wirkung als Physiker und Dichter verfasst worden. Seine theologische Bedeutung aber blieb weiter wenig beachtet, sagt Gehrt.

In seiner Heimatstadt ist Eber dagegen heute noch präsent. Nicht nur, weil Kantorei und Gemeindehaus seinen Namen tragen. Vom 29. Oktober bis 27. November veranstaltet das evangelische Dekanat Kitzingen die Paul-Eber-Tage. Zudem wird es in Auszügen einen Nachdruck jener Bibel geben, die Eber seiner Heimatstadt 1562 geschenkt hat. Darin hat der Reformator eigenhändig das Wappen Kitzingens auf sechs Seiten in Text und Bild interpretiert.

Zur Person

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Spurensuche

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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 12:57