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Protestanten feiern Reformationsfest

Bischöfe würdigen Bedeutung von Luthers Erneuerungsbewegung

Evangelische Christen haben am Sonntag bundesweit den Reformationstag gefeiert. Mit Gottesdiensten und weiteren Veranstaltungen erinnerten sie an den legendären Thesenanschlag Martin Luthers (1483-1546) im Jahr 1517. Evangelische Bischöfe unterstrichen in ihren Predigten die Bedeutung der Reformation, die vor fast 500 Jahren in Wittenberg ihren Ausgang nahm.

Der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber bezeichnete die Reformation als ein "ökumenisches Ereignis", das bis heute für die gesamte Christenheit gelte. Luther habe keine neue Kirche gründen wollen, seine Thesen seien vielmehr ein "Vorstoß zur Erneuerung der einen Kirche" gewesen, der weit über die Kritik am damaligen Ablasshandel hinaus reichte, sagte Huber in einer Predigt in Duisburg.

Die Präses der EKD-Synode, Katrin Göring-Eckardt, sagte, die Reformation habe die Welt verändert: "Wie ein Kartenhaus fiel das bisherige Lehrgebäude der mittelalterlichen Kirche mit Papst und Ablass in sich zusammen", sagte die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin am Sonntagabend in einer Predigt in München. Auch in einer Leistungsgesellschaft könne man sich ganz auf die Liebe Gottes verlassen, betonte sie.

Der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig rief in einem ARD-Fernsehgottesdienst dazu auf, die christliche Botschaft zum Maßstab für das moralische Handeln zu machen. Für Luther und die Reformation sei es selbstverständlich gewesen, dass der Bezugspunkt für das Gewissen nicht der Mensch in "selbstdefinierter Moral", sondern Gott sei, sagte er in der Wörlitzer Petrikirche.

Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich bezeichnete die Reformation als aktuellen Auftrag der Kirche. Die Kirche müsse sich immer wieder ändern, um sich im Kern treu zu bleiben. "Wo wir uns von anderen Christen getrennt haben, wollen wir uns versöhnen und den Neuanfang wagen", sagte Friedrich in Regensburg. Zugleich zeigte er sich besorgt über die überdurchschnittlich hohe Ausländerfeindlichkeit unter Protestanten.

Der badische Landesbischof Ulrich Fischer sagte, die heutigen Kirchen seien anders als zur Zeit des Reformators Luther nicht bedroht durch feindliche Mächte. Der christliche Glaube sei aber von innen bedroht, weil die Christenheit kein eindrucksvolles Bild besonderer Geschlossenheit abgebe, sagte Fischer in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis).

Der Berliner Bischof Markus Dröge warnte davor, bereits überwundene konfessionelle Differenzen durch ein neues Feindbild gegenüber dem Islam zu erneuern. Sachsens Landesbischof Jochen Bohl warnte in Meißen vor "illusionären Annahmen über die menschlichen Möglichkeiten" und einer "Gleichgültigkeit gegenüber der Frage nach Gott".

Christen seien berufen, das Leben so zu gestalten, dass Menschen einander mit Respekt, Freiheit und Liebe begegnen könnten, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung. "Dazu sind wir jetzt besonders herausgefordert, wenn wir mit Menschen aus anderen Kulturen und mit anderem Glauben zusammenleben", so der Theologe.

Die Vizepräses der rheinischen Landeskirche, Petra Bosse-Huber, sagte, für Luther sei die Erkenntnis, von Gott allein befreit werden zu können, zum Eckpfeiler seines neuen Glaubens geworden. Die Botschaft, dass sich niemand sein Heil selbst verdienen müsse, sei unvermindert aktuell, sagte der stellvertretende hannoversche Landesbischof Hans-Hermann Jantzen in Lüneburg.

Ob der Mönch Martin Luther seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 tatsächlich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug, ist zwar historisch nicht gesichert. Die öffentliche Wirkung ist jedoch unumstritten, die von der Anprangerung kirchlicher Missstände wie dem Ablasshandel ausging und letztendlich zur Begründung der protestantischen Kirchen führte. Der Reformationstag ist in den neuen Bundesländern, nicht aber in Berlin und im alten Bundesgebiet gesetzlicher Feiertag.

Bereits am Freitag waren die Denkmäler der Reformatoren Luther und Melanchthon nach sechsmonatigen Restaurierungsarbeiten an ihre alten Standorte in Wittenberg zurückgekehrt. Die beiden Denkmäler waren Ende April abgebaut und in eine Berliner Werkstatt geschafft worden. Das im Jahr 1821 enthüllte Monument für den Kirchenreformator Martin Luther gilt als das älteste deutsche Luther-Denkmal.

Für ihr christlich motiviertes Bildungsengagement zeichnete die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag drei Frauen mit der Martin-Luther-Medaille aus. Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider ehrte in der Nürnberger Lorenzkirche Astrid Hahn, die ehemalige Leiterin der Albertville-Realschule in Winnenden, die Mäzenin Barbara Lambrecht-Schadeberg aus Krombach und die Schulleiterin Cornelia Schäfer aus Erfurt.

Zur Person

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Nicht nur in Deutschland hat Melanchthon seine Spuren hinterlassen und Kirche und Gesellschaft geprägt. Tipps und Hinweise für Reisen im Melanchthonjahr.

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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 12:57