Melanchthons europäische Erben

zurück

Finnland

Pfarrer Dr. theol. Juhani Holma, Tornio, Finnland

Relativ früh kamen die Gedanken der Reformation auch im fernen Finnland an. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der "Bistum Turku" genannte Teil des Schwedischen Reiches aus politischen Gründen von der katholischen Kirche getrennt. Der Übergang vom mittelalterlichen System zum Kreis der protestantischen Kultur dauerte in dem dünn besiedelten Land relativ lange, änderte aber schließlich bleibend die Grundstrukturen des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens.

Während die großen Ideen Mittel-Europa rasch überflutet hatten, erreichten die neuen Ideen Finnland als ruhige Wogen. Ein Grund war, dass die Finnen, die sich die lutherische Theologie angeeignet hatten, Schüler Philipp Melanchthons gewesen waren. Der Reformator Finnlands Michael Agricola, der in Wittenberg studiert hatte, respektierte zwar Luther als Vaterfigur, betrachtete Melanchthon aber als seinen eigentlichen Lehrer. Und Melanchthon beeinflusste Agricola, den Vater der finnischen Schriftsprache und eine bedeutende finnische Kulturpersönlichkeit. Diese Verbindung spiegelt sich auch in der heutigen Kirche und dem Kulturleben Finnlands wider.

Als Frucht der Reformation gehören auch heute 80 Prozent der Finnen zu der evangelisch-lutherischen Kirche. Die Grundwerte der Finnen basieren seit vielen Generationen auf dem protestantischen Menschenbild und der protestantischen Moral. Das Bildungsniveau der Finnen ist wohl auch dem Humanisten Melanchthon zu verdanken. Das Land im fernen Norden bietet seinen Kindern heute ein Schulsystem, das jedem Kind gleiche Möglichkeiten zum Lernen und zum Erfolg bietet.

Melanchtons europäische Erben

Weit über Deutschlands Grenzen hinaus wirkte der Lehrer Skandinaviens und Osteuropas. Was Ungarn, die Slowakei, Dänemark und Finnland ihm bis heute verdanken.

Zur Person

Wer war Philipp Melanchthon? Wie müssen wir ihn uns vorstellen? Als Theologe schrieb er die erste Systematik der neuen, reformatorischen Theologie.
Wunderkind hat man ihn gerufen und Martin Lutehr nannte ihn mit Vorliebe "den kleinen Griechen".


EKD-Logo
Evangelische Kirche in Deutschland
Copyright ©2016 Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) | Datenschutz | Impressum
Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 12:57