Melanchthons europäische Erben

zurück

Slowakei

Dr. Milos Klátik, Generalbischof der EKAB in der Slowakei

Der bedeutende Theologe der Reformation, Filip Melanchton, hatte während der Entstehung der heutigen Evangelischen Kirche A.B. (Augsburger Bekenntnis) in der Slowakei (damals Oberungarn) einen überaus segensreichen Einfluss auf die damaligen Entwicklungen. Die Slowakei war ihm dank der Studenten aus der Slowakei gut bekannt. Und durch diese Studenten verbreitete sich Melanchtons Reformationslehre in der Slowakei. Über die damaligen Kontakte Melanchtons zur Slowakei sind mehrere Studien erschienen.

Während seines Wirkens an der Universität Wittenberg studierten dort 442 Studenten aus Ungarn (darunter der Pädagoge und Schriftsteller Leonhard Stöckel, der Dichter Pavel Rubigal, der Arzt György Purkircher und der Poet Martin Rakovský). Melanchton war für sie eine Autorität, an der sie sich orientierten. Mit manchen von ihnen hat er auch korrespondiert. Es sind Briefe an seine Studenten in Oberungarn erhalten, in denen er sie den Stadträten von Bardejov (Bartfeld), Banská Stiavnica (Schemnitz), Kremnica (Kremnitz) und Kezmarok (Käsmark) als Pfarrer oder Lehrer empfiehlt.

Rege Korrespondenz führte er mit Leonhard Stöckel, der in Bardejov wirkte. Nach Melanchtons Vorgaben entwarf er die ersten Schulgesetze und schrieb nach seinem Modell auch Schulbücher. In Levoca (Leutscha) befindet sich ein wertvoller Autograph Melanchtons, in Luthers Bibelkommentar hineingeschrieben. Weitere seiner kostbaren Schriften gibt es in der Lycealbibliothek in Kezmarok.

Einmal intervenierte Melanchton in der Slowakei wegen der Glaubenslehre. Matthias Lauterwald, Pfarrer in Presov (Eperijees), war von Luthers Prinzip Sola fide abgewichen und hatte begonnen Osianders Ansichten zu verbreiten (dass dem Gerechtfertigten ein Teil der Gerechtigkeit Gottes eingepflanzt sei). Melanchton (demzufolge auch der Gerechtfertigte ein Sünder bleibe) riet den Zuständigen in der Slowakei, Lauterwald das Amt zu entziehen. Melanchtons Lehre hatte auch einen starken Einfluss auf unsere inländischen Glaubensbekenntnisse, besonders auf die Confessio Pentapolitana von L. Stöckel. Auf Filip Melanchton beriefen sich auch viele Senioralgesetze.

Melanchtons europäische Erben

Weit über Deutschlands Grenzen hinaus wirkte der Lehrer Skandinaviens und Osteuropas. Was Ungarn, die Slowakei, Dänemark und Finnland ihm bis heute verdanken.

Zur Person

Wer war Philipp Melanchthon? Wie müssen wir ihn uns vorstellen? Als Theologe schrieb er die erste Systematik der neuen, reformatorischen Theologie.
Wunderkind hat man ihn gerufen und Martin Lutehr nannte ihn mit Vorliebe "den kleinen Griechen".


EKD-Logo
Evangelische Kirche in Deutschland
Copyright ©2016 Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) | Datenschutz | Impressum
Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 12:57